Folge 2.02

Ein Tag wie alle

         Every day the same

 

Die Halliwells sind verzweifelt, sie sind dem Dämon zwar entkommen, doch an feiern ist nicht mehr zu denken. Gemeinsam mit Billie haben sie das Buch der Schatten Seite für Seite nach einer Lösung abgesucht, doch nichts konnte ihnen helfen. Es ist, als hätte sich alles gegen sie verschworen und das macht sie ängstlich und noch vorsichtiger als sonst, weshalb sie dafür sorgen, dass niemand das Haus verlässt, ehe sie nicht wissen, wie dieses Monster zu besiegen ist. Tag für Tag dürfen sie sich also neue Ausreden für die Arbeit ausdenken und ihr Fehlen entschuldigen, bis Jamie Paiges Zeichnung des Dämons findet und diese skeptisch betrachtet. Paige sieht den Gesichtsausdruck ihrer besten Freundin und gesellt sich zu ihr: „Ist alles in Ordnung? Du wirkst etwas durcheinander…“

„Es ist einfach zu viel… Phoebe ist schwanger… du bist schwanger… ich bin schwanger… und dann noch dieses Monster…“, Jamies Blick weicht nicht von der Zeichnung, doch Paiges Gesichtsfarbe verschwindet, als sie die Worte ihrer Freundin hört. Erst wollte sie diese nur bitten leiser zu sein, weil sie nicht will, dass bereits alle von ihrer Schwangerschaft erfahren, doch dann hört sie überrascht, dass auch Jamie ein Kind erwartet und muss sich erschrocken auf einen Stuhl sinken lassen. Kein Wort kommt ihr über die Lippen, aber dafür kann man ihr die Verwirrung aus dem Gesicht ablesen, weshalb Jamie ihre Hand nimmt und sich zu ihr runterkniet. Sie verspricht Paige, dass alles gut werden wird und sie gemeinsam eine Lösung finden werden. Dann hilft sie der Hexe beim Aufstehen und die beiden Freundinnen gehen nach oben auf den Dachboden, während Piper in der Küche gerade für alle kocht. Dabei verwechselt sie fast das Öl mit dem Essig, welchen Billie ihr aus der Hand nimmt und Piper auf einmal die Hände über dem Kopf zusammenschlägt. Die Älteste der Schwestern wird noch wahnsinnig, wenn sie nicht bald herausfindet, welcher Dämon dafür verantwortlich ist, dass sie nun hier eingesperrt sein müssen. Doch andererseits scheinen sie im Haus auch sicher zu sein, denn seit dem einem Mal auf dem Friedhof ist ihnen der Dämon nicht wieder begegnet; nur hat Piper Angst, dass dies alles eine Falle sein könnte und das behagt ihr gar nicht. Auch Billie scheint diesen Gedanken zu haben und versucht aus diesem Grund so wenig wie möglich allein zu sein, weshalb sie Piper sehr oft in der Küche hilft, während Victor sich um Wyatt und Chris kümmert, so wie auch in diesem Moment. Denn er genießt die Zeit mit seinen Enkeln und freut sich schon auf den Nachwuchs von Phoebe, auch wenn er lieber eine ruhigere Umgebung hätte, anstatt die ständige Angst vor Dämonen…

Auch Darryl bereitet dieses Thema Kopfschmerzen, denn er will seine Frau und die kleine Tochter nicht verlieren, sondern würde sein Leben für das ihre geben, wenn es nötig wäre, was er Phoebe aber niemals sagt, da sie seine Gefühle lesen kann und damit auch schon fast seine Gedanken…

 

Auf dem Dachboden gehen Paige und Jamie noch einmal das Buch durch, auch wenn Paige nicht die Hoffnung hegt, irgendetwas zu finden. Jamie allerdings sucht nicht nach dem Stier, sondern nach einer Möglichkeit Geister auszutreiben.

„Was machst du da jetzt?… Du glaubst doch nicht im Ernst, dass dieser Dämon ein gewöhnlicher Geist war – Jamie, der… das… egal, wir wurden angegriffen, verletzt, glaubst du das kann ein Geist?“, Paige stemmt die Fäuste in ihre Taille, kann Jamies Antwort aber nicht abwarten, da auf einmal ihr Handy klingelt. Sie zieht es also aus der Tasche und will gerade das Gespräch annehmen, als ihr auffällt, wer am anderen Ende der Leitung ist und sie mit den roten Hörer drückt, um gar nicht erst rangehen zu müssen.

 

In der Unterwelt geht ein Unbekannter hin und her, wobei sein Lächeln immer finsterer wird, weil ihm irgendetwas große Freude bereitet. Seine Untergebenen wagen es noch nicht einmal, ihn zu fragen, was seine Laune gehoben hat, denn noch vor zwei Wochen hat er jeden von ihnen herumgeschubst und einige von ihnen getötet, nur so zum Spaß. Dann ist ihm jedoch eine Idee gekommen, wie er sich selbst helfen kann und das zurückbekommt, was eigentlich ihm gehört – ihm allein… Doch es ist ihm gestohlen worden und dafür sollen sie alle büßen, alle die dabei geholfen haben, die seine Pläne für die Zukunft zerstört haben…

Der attraktive Mann mit den kurzen dunkelbraunen Haaren, die bei wenig Licht schwarz zu sein scheinen, und den braunen Augen, denen nichts entgeht, lässt sich auf einen Stuhl sinken und betrachtet ein Bild, welches er vor seinem Gesicht schweben lässt, bis er es zu Asche verbrennt und diese leise zu Boden sinkt…

 

Cole sitzt ungeduldig in seinem Büro und kann nicht glauben, dass er schon wieder versetzt wird. Schon zum fünften Mal in zwei Wochen erscheint sie einfach nicht und auch seine Anrufe nimmt sie nicht entgegen, als wäre sie der Chef und könne kommen und gehen wann sie will. Diese Flausen muss er ihr unbedingt abgewöhnen, auch wenn es ihm schwer fallen wird, als ihr Vorgesetzter muss er hartnäckig sein, auch wenn er seine Autorität bei ihr bereits verloren hat, als sie miteinander geschlafen haben…

Wie es dazu gekommen ist, kann er gar nicht mehr sagen, aber vielleicht ist genau das der Grund, warum sie nicht mehr zur Arbeit erscheint… Hatte er sie überrumpelt? Hätte er es je wagen sollen?… Ja und nein, denn sie wollte es auch, das hat er gespürt und nun macht er sich Sorgen um sie, hat Angst, sie nie wieder zu sehen, weil… aber kann das sein… kann er sich in sie verliebt haben… Sie ist alles, was er nicht haben kann und vielleicht reizt sie ihn deswegen so, und doch ist da mehr, schon damals war es mehr, nur wollte es keiner von ihnen wahr haben. Nun sitzt der Anwalt alleine hinter seinem Schreibtisch und denkt an alte, vergangene Tage, in denen sie bereits schon einmal zusammen gearbeitet haben. Sie hat ihm nie über den Weg getraut, weder bei der Arbeit, noch in seinen Gefühlen für ihre Schwester, überall hat sie ihre Nase hineingesteckt und hat nicht gezögert, wenn er ihr einen Anlass gab, um sich über ihn zu ärgern und vor Phoebe schlecht zu machen… Hat Paige schon damals etwas für ihn empfunden oder sind es alles nur Wünsche eines einsamen Dämons, der sich nach Liebe und Zuneigung sehnt…

Zur gleichen Zeit schreibt sich Jamie aus dem Buch der Schatten einen Zauberspruch heraus und Paige entschuldigt sich bei ihr, da sie kurz einmal auf die Toilette gehen müsse. Doch stattdessen schleicht sie sich in ihr Zimmer, wo sie ihr Handy betrachtet und nicht weiß, ob sie Cole nun zurückrufen soll oder besser nicht. Gut, sie arbeitet für ihn und dämlicher weise hat sie auch mit ihm geschlafen, was sie nie hätte tun sollen und nun ist sie auch noch schwanger von ihm, was auf gar keinen Fall irgendjemand erfahren darf, besonders nicht Phoebe, geschweige denn Cole selbst. Doch wie kann man eine Schwangerschaft verheimlichen, besonders in der Familie und vor ihrer besten Freundin… nein, Jamie muss es erfahren, sie wird Paige verstehen, daran glaubt die Hexe ganz fest, bis sie von ihrem klingelnden Handy aus ihren Gedanken gerissen wird: „Paige Matthews…“

Cole redet nicht lange um den heißen Brei herum und fragt seine Angestellte sofort, warum sie in den letzten Tagen nicht zur Arbeit kommt. Gerade als sie sich irgendeine Ausrede parat legen will, die sie ihm präsentieren kann, fragt der Dämon sie, ob es an der gemeinsamen Nacht liegt… Völlig perplex kann Paige keinen zusammenhängenden Satz mehr über ihre Lippen bringen, sondern stottert bloß noch herum. Sie weiß einfach nicht, was sie nun sagen soll und es wird nur noch schlimmer, als Cole sie um ein Abendessen bittet, damit sie in Ruhe über die Sache reden können. Paige erinnert sich aber jedoch an das Ende des letzten Abendessens und will nicht, dass sich das ganze wiederholt, aber wie soll sie das dem Dämon nur begreiflich machen. Dieser hört noch nicht einmal auf nach zu bohren und lässt sie so keinen Moment zur Ruhe kommen, womit er Paige noch mehr aus der Fassung bringt, bis sie seine Stimme nicht mehr ertragen kann und nicht nur das Gespräch beendet, sondern direkt das Handy ausschaltet und das kleine Telefon dann in ihrer Schreibtischschublade versteckt…202        

 

Phoebe und Darryl sitzen in Phoebes altem Zimmer, wo die junge Hexe und werdende Mutter wieder wach geworden ist, nachdem sie eine Weile geschlafen hat. Doch schon ehe sie ihre Augen geöffnet hat, wird sie von den Gedanken ihres Freundes erdrückt und kann deshalb nicht anders, als mit ihm über die Ereignisse der letzten Woche zu sprechen: „Darryl, Schatz, dieser Dämon ist wie jeder andere, den kriegen wir schon klein. Mach dir doch bitte nicht so viele Sorgen, damit machst du mich noch krank und Eva gleich mit…“

„Wie kannst du glauben, dass alles in Ordnung ist? Keiner von euch hat eine Ahnung, wie ihr dieses Stiermonster erledigen wollt… Phoebe, ich kann nicht mein ganzes Leben hier eingesperrt sein und ich will auch nicht, dass meine Familie nur Gefangene sind… du bist schwanger, du solltest dich schonen und stattdessen lest ihr in diesem dicken Buch, braut ein Elixier nach dem anderen und… ich liebe dich, aber…“, Phoebe weiß, dass Darryl sich immer wieder Gedanken um ihre Zukunft macht und seine Sorgen von Tag zu Tag nur noch größer werden, seitdem sie in diesem Haus sind, doch sie will einfach nicht daran glauben, dass dieser Zustand für immer sein wird. Sie hofft noch immer eine Lösung zu finden und gibt dem Polizisten einen Kuss, damit er merkt, dass sie ihn genauso liebt und ebenfalls nur das Beste für sie alle will…

Jamie geht mit dem Zauberspruch nach unten und klopft auf ihrem Weg in den Wintergarten an jede Tür, damit alle Bewohner des Hauses ihr folgen und hören können, was sie herausgefunden hat. Natürlich will erst keiner glauben, dass es sich bei dem Stier um einen Geist handelt, doch Victors Freundin hat eine genaue Erklärung, auch wenn diese den anderen nicht gefällt: „Es ist kein normaler Geist, sonst hätte er euch nicht angreifen können. Es ist ein Höhlengeist, ein Aatxe… er muss von jemandem heraufbeschworen worden sein, denn normalerweise – na ja, in einer alten Legende eher gesagt, taucht der Stier nur Nachts auf und zwingt die Dorfbewohner in ihren Häusern zu bleiben… jeder, der die Tür öffnet, wird getötet… ich habe keine Ahnung, wer so ein Wesen als seinen Sklaven hält, doch derjenige muss sehr mächtig sein, sonst hätte sich der Aatxe gegen ihn gestellt.“

Victor und seine Töchter können nicht fassen, was Jamie ihnen erzählt und so ist auch nur Billie sofort dazu bereit, dieser Vermutung nachzugehen, denn es ist der einzige Ansatz den sie haben. Die Mächtigen Drei müssen ihr Recht geben und so gehen die fünf Hexen auf den Dachboden, wo sie den Höhlengeist beschwören wollen, während Victor und Darryl sich um Wyatt und Chris kümmern sollen. Die beiden Männer sind dabei allerdings unruhiger, als die zwei Jungs und ihre Gedanken sind nur bei den Frauen, die auf dem Boden ein Pentagramm aufgemalt haben, an dessen Eckpunkte Billie nun Kristalle legt, die den Aatxe festhalten sollen, so lange sie den Zauber sprechen, der ihn wieder in der Höhle verbannen soll. Paige schreibt aus diesem Grund einen alten Zauberspruch um, während Phoebe und Piper das Buch noch einmal durch gehen und nach einem Zauberer suchen, der mächtig genug sein könnte, um den Stiergeist in ihre Welt bringen zu können. Doch kein Dämon in dem dicken Buch scheint dafür in Frage zu kommen und so nehmen sie sich erst einmal den Aatxe vor, weshalb sich jede von ihnen an einen der Kristalle stellt:

„Für unsere Angst bist du gekommen

unsere Träume uns genommen,

wir rufen dich in unsere Mitte

komm erhöre unsere Bitte.“

Ein dichter Nebel erscheint zwischen den fünf Hexen und lässt sie die Sicht auf die anderen verlieren. Doch mit einem klaren Ziel vor Augen, sprechen sie weiter, als sie die Hörner des Stieres sehen, der in dem Pentagramm erscheint:

„Du Ungetüm aus dunkler Nacht

das eben noch über unsere Angst gelacht,

sollst nun verlassen diesen Ort,

wir verbannen dich für immer fort.“

Mit einem lauten Schrei löst sich der Rauch auf und nur noch die fünf Hexen stehen auf dem chaotischen Dachboden und fallen sich vor Freude in die Arme. Billie und Piper fangen sogar an zu weinen vor lauter Erleichterung, während Phoebe kurz darauf nach unten läuft und Darryl die gute Nachricht überbringen will. Dieser küsst sie und will seine Freundin gar nicht mehr los lassen, weshalb Victor sie alleine lässt, denn auch er möchte zu seiner Freundin, die sich allerdings erst einmal um Paige kümmern will: „Willst du jetzt mit mir reden?… oder brauchst du noch Zeit… ich meine, ich kann verstehen, wenn du nicht darüber reden willst, doch andererseits könnte es dir gut gehen, du wirst schließlich Hilfe brauchen, denn so eine Schwangerschaft kannst du nicht alleine durchstehen…“

Paige nickt und lässt die Tränen über ihr Gesicht laufen, während sie sich in Jamies Arme sinken lässt und ihr den Namen des Mannes nennt, welcher der Vater ihres Kindes ist, Cole…

 

Piper ist froh, als sie ihre Söhne an diesem Abend ins Bett bringen kann, als Billie zu ihr ins Kinderzimmer kommt und sie daran erinnert, dass sie eigentlich gerade in einer Vorlesung sitzen sollte, ohne zu wissen in welcher eigentlich und da sie den Anfang schon verpasst hat, macht es nicht viel Sinn noch in diesem Semester weiterzumachen: „Ich könnte euch viel besser hier helfen, ich könnte dich entlasten, als Babysitter, als Hilfe im Haus… es könnte so sein wie früher… ganz am Anfang, als noch nicht alles schief gelaufen ist…“

Piper legt Billie einen Arm über die Schultern und erkennt, dass die junge Hexe noch nicht bereit ist für einen kompletten Neuanfang und so bietet sie ihr an, sie ihm Haus wohnen zu lassen, damit sie beide nicht mehr so einsam sind. Die Blondine ist Piper dankbar für dieses Angebot und folgt Piper in die Küche, wo sie ein Abendessen für alle vorbereiten wollen. Doch je später der Abend wird, um so mehr Leute verlassen das Haus, denn Darryl und Phoebe wollen wieder einen Abend für sich alleine haben, genau wie Victor und Jamie, die Paige allerdings mitnehmen, da sie und Jamie noch etwas wichtiges zu besprechen haben. So bleiben Piper und Billie allein zu Hause und machen sich einen gemütlichen Abend zu Zweit vor dem Fernseher; aber sie bekommen nicht viel mit von dem Film, sondern schlafen nach kurzer Zeit tief und fest…

Victor versteht nicht, warum Paige ihn und Jamie begleitet, bis sie in seiner Wohnung ankommen, wo die beiden Frauen ihn auf einen Stuhl setzen und Jamie seine Hand auf ihren Bauch legt. Paige sieht zu wie Victor freudestrahlend aufspringt und seine Freundin küsst, bis er von ihr zurückweicht, da er Angst davor hat, sein Kind zu erdrücken. Dann nimmt er Paige in die Arme und gibt ihr einen Kuss auf die Wange, ehe er in die Küche läuft und Jamie etwas zu trinken bringt, sowie eine Decke aus dem Schlafzimmer. Seine kurze Abwesenheit nutzt Jamie, um noch einmal mit Paige zu reden: „Es ist nicht leicht, ein Leben allein zu führen, aber du bist nicht allein, du hast mich und dein Kind… auch deine Schwestern und Victor sind immer für dich da… rede mit Cole, vielleicht wird auch er dir beistehen, ja… vielleicht empfindet er sogar etwas für dich und freut sich über die Schwangerschaft…“

„Er darf es nicht wissen, keiner darf es wissen, das musst du mir versprechen.“, Paige sieht Jamie mit großen Augen an, bis diese nickt und sich die Wächterin des Lichts erleichtert an ihrer Schulter anlehnt. Während Victor die beiden Freundinnen beobachtet, bringt Darryl Phoebe ins Bett, damit sie zur Ruhe kommen kann und legt sich dann zu ihr. Die Kolumnistin ist jedoch noch gar nicht müde und kuschelt sich an ihren Traummann, der sich noch immer viele Gedanken macht, doch Phoebe dreht seinen Kopf zu ihr und lächelt ihn verführerisch an: „Hör auf über das nachzudenken, was passieren könnte… es war ein Tag wie alle anderen und wenn du mich liebst, dann wirst du dich daran gewöhnen müssen, denn ich kann meine Schwestern nicht alleine lassen, wir brauchen einander… und ich brauche dich…“

Darryl küsst Phoebe und will sie nicht mehr loslassen, aber er weiß auch, dass sie Recht hat.

 

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